Re-Import Grundlagen

                
            

Kostensenkung durch EU-Neuwagen und freie Werkstattwahl

Selbst wenige Jahre nach Verabschiedung der alten GVO (Gruppenfreistellungs-Verordnung 1400/2002) herrscht immer noch eine gewisse Verunsicherung, ob Neuwagen beim Vertragshandel oder einem günstigeren EU-Importeur gekauft werden dürfen. Gleiches gilt für den Service, soll man zum Vertragshändler oder in die günstigere freie Werkstatt gehen?

Einerseits wird viel Halbwissen verbreitet u. andererseits werden bewusst Sachzusammenhänge von Seiten der Industrie verschleiert, um eben eigene Interessenssphären zu schützen.

Meine Aufgabe ist es, Ihnen die Thematik aus einer anderen Perspektive – eben der eines freien Betriebes – darzustellen, ohne irgendeinen Mitbewerber anzugreifen, d.h. ich möchte lediglich einen Denkanstoss geben, damit Sie als Verbraucher sich Ihre Meinung bilden können.

Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen – GVO 461/2010 (Leitlinien)

Im Zuge eines wettbewerbsrechtlichen Umdenkens ist die KFZ GVO 1400/2002 bereits  im Jahr 2002 in Kraft getreten und wurde am 01.06.2010 durch die Kfz-GVO 461/2010, ergänzt durch Leitlinien, modifiziert. Innerhalb der Europäischen Union hat damit der Vertrieb von Kraftfahrzeugen und Ersatzteilen eine grundsätzliche Neuausrichtung erfahren.

Nach EU – Recht besteht grundsätzlich ein Kartellverbot. Ausnahmen – insbesondere im Automobilbereich – werden als Gruppenfreistellung bezeichnet.

Aufgrund der Komplexität des Produktes Kfz durfte das vertikale Kfz Hersteller- Monopol beibehalten werden, um dem Hersteller die Möglichkeit zu geben, die Pflege seiner weltweit vertriebenen Fahrzeuge sicherzustellen.

Im Gegenzug wurden aber die Hersteller erstmals verpflichtet – insbesondere um den freien Wettbewerb zu erhalten –, technische Unterlagen, Diagnosegerätschaften, Schulungen, usw. bereitzustellen sowie eine Vielzahl von monopolistischen Verhaltensweisen aufzugeben.

Vor diesem Hintergrund haben sich gravierende Veränderungen im Automobilbereich ergeben, die den Vertrieb sowie auch den Reparaturmarkt nachhaltig beeinflusst haben u. zukünftig noch verändern werden.

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Was bedeutet Fahrzeug Re-Import ?

Hierbei handelt es sich um Fahrzeuge die für den europäischen Markt produziert wurden, jedoch über ein anderes Land als die Produktionsstätte nach Deutschland gelangen. Z.B.: Fahrzeuge v. Opel Rüsselsheim

Der Vertragshandel spricht gerne von Grauimport, um dem Re-Import einen möglichst diffusen Anstrich zu geben.

Sind EU-Neuwagen qualitativ gleichwertig ?

Vor ca. 20 Jahren waren noch teilweise technische Unterschiede bei Fahrzeugen vorhanden, was sich jedoch durch die Produktionspolitik der Hersteller sowie die seit ca. 6 Jahren eingeführten EU-Normen geändert hat.

Auch früher schon kamen keine Fahrzeuge 2-ter Wahl nach Deutschland, sondern diese hatten lediglich andere Auflagen, was deren Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) im Ausland anbelangte (z.B.: 3-te Bremsleuchte – Sicherheitsstandards teilweise im Ausland höher bzw. schon früher als in BRD).

Mittlerweile ist kein technischer Unterschied mehr vorhanden. Selbst die Lampen, die früher umgerüstet werden mussten, sind mittlerweile mit „ECE“ Prüfstempeln versehen, d.h. sie weisen eine europaweit identische Bauweise auf. Deshalb sind z.B. auch Pannen im Urlaub kein Problem mehr, da Ersatzteile genormt u. vereinheitlicht wurden.

Warum sind EU-Neuwagen zum Teil erheblich billiger ?

Die Preispolitik der Hersteller orientiert sich jeweils an den Bedingungen eines EU-Landes, d.h. die Werksabgabepreise werden ständig der jeweiligen Kaufkraft u. dem landesspezifischen Wettbewerb angepasst.

Unser tägliches Brot ist, die Preisunterschiede der Herstellervertriebspolitik EU-weit aufzuspüren, um dann diese Fahrzeuge mit erheblichen Preisvorteilen nach Deutschland zu importieren.

Gibt es Ausstattungsunterschiede bei EU-Neuwagen ?

Hersteller stellen für die grundsätzlich gleich produzierten Fahrzeuge Ausstattungspakete zusammen. Je nach Markterfordernissen werden diese dann als Serienausstattung oder als aufpreispflichtiges Zubehör verkauft.

In südlichen Ländern ist zum Beispiel eine Klimaanlage serienmäßig, andernfalls wäre ein Fahrzeug unverkäuflich; im Gegensatz zu skandinavischen Ländern, in denen z. B. das Winterpaket eine Regelausstattung ist.

Hieran erkennt man, wie differenziert die Hersteller ihre Märkte studieren, um die unterschiedlichen Geschmäcker ihrer Kunden zu treffen.

Wie hoch ist die Preisersparnis ?

Da aufgrund der Marketingmaßnahmen der Hersteller in einem Land Serienausstattung u. aufpreispflichtiges Zubehör unterschiedlich sein können, ist es schwer, eine exakte Preisersparnis zu nennen. Preisvorteile können somit sehr unterschiedlich sein, sind aber im konkreten Einzelfall zu berechnen.

Wo kauft oder bestellt man einen EU-Neuwagen ?

Grundsätzlich sollte man nur bei einem Händler seines Vertrauens kaufen, den man „greifen“ kann, außerdem sollte der Händler zumindest über eine eigene Werkstatt verfügen, um auch unmittelbar kleinere Reparaturen durchführen zu können.

Beim EU-Importeur ist es einfach, es gilt das deutsches Kaufrecht u. man kann z.B. im Falle des Lieferverzuges die deutschen gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, d.h. mit Fristsetzung usw. arbeiten.

Welche Gefahren birgt der Eigenimport eines Kfz ?

Kaufpreise im EU Ausland sind sofort fällig, ohne dass die Möglichkeit der Vorfinanzierung besteht.

Gesetzt den Fall, Sie möchten dennoch selbst importieren: – Bei Bestellungen u. evtl. Streitigkeiten im Ausland gilt die Rechtsprechung des jeweiligen Landes. Gerichtsstand wäre ebenfalls im Ausland, d.h. im Herkunftsland. Damit verteuern u. behindern Übersetzungen bzw. zusätzliche Anwaltskosten (Korrespondenzanwälte) die möglichen Rechtsstreitigkeiten.

Zudem sind kaum Rabatte bei Einzelabnahmen zu erzielen. Die bürokratischen Zoll- u. Steuerformalitäten sind ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Keine Gewährleistungsprobleme bei EU-Neuwagen !

Grundsätzlich gilt ein europaweites, gesetzlich verbrieftes Konsumgüter-Kaufrecht mit 2 Jahren Gewährleistung ab Zulassung.

Abgesehen davon, dass unsere Kunden bei Gewährleistungsproblemen jederzeit gerne zu uns – in die freie Werkstatt – kommen können, sollte man sich von der Vorstellung befreien, dass man als Käufer eines KFZ keine Rechte gegenüber der herstellereigenen Serviceorganisation besitzt.

Mit dem Erwerb eines Fahrzeuges – einem nicht eben billigen Produkt – sind diese Garantieleistungen bereits im Kaufpreis enthalten.

Vertragswerkstatt oder Freie Werkstatt ?

Freie Betriebe haben durch freien Zugang zu technischen Daten u. Schulungen ein mittlerweile gleiches technisches Leistungsniveau erreicht, allerdings bei in der Regel günstigeren Preisen.

Gleiches gilt für Ersatzteilbeschaffungen. In Zeiten in denen aus Kostengründen u. wegen der immensen Modellvielfalt überall Lagerhaltung zurückgefahren wird, sind die freien Betriebe genauso schnell wie die Vertragswerkstätten. Auch sie werden mehrmals täglich, teilweise sogar von den gleichen Lieferanten über Nacht beliefert.

Der Unterschied zwischen den Werkstatttypen besteht hauptsächlich darin, dass die Vertragswerkstatt Reparaturleistungen im Gewährleistungs- u. Garantiefall dem Hersteller berechnen kann und damit Geld verdient, während die sogenannte freie Werkstatt diesen Service nicht anbieten darf. In der Praxis gibt es allerdings immer wieder Möglichkeiten, unseren Kunden zu helfen.

Was ist ein „Original-Ersatzteil“ !

Originalersatzteile werden nicht mehr wie früher vom Automobilhersteller definiert, sondern müssen lediglich hinsichtlich der Qualität gleich sein.

Ersatzteile können somit auch unter einem anderen Markenzeichen eines beliebigen Zulieferers verkauft werden, sogenannte Identteile, u. sind im Sinne der GVO „Originalersatzteile“.

2-Jahre Gewährleistung / Herstellergarantie – nur bei EU-Neuwagen !

Unabhängig wo das Neufahrzeug gekauft oder gewartet wurde, hat der Verbraucher Ansprüche aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung (Gewährleistung) gegenüber dem Hersteller. Diese beträgt ab Zulassung z.Zt. 2 Jahre.

Zudem geben die Hersteller im europäischen Ausland – im Gegensatz zu Deutschland – zusätzlich ein weltweit gültiges Garantieversprechen ab. Diesen rechtlich gravierenden Vorteil haben bislang kaum Kunden des regulären deutschen Vertragshandels, die „ausschließlich“ Ansprüche aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung gegenüber dem verkaufenden Händler besitzen.

Freiwillige Herstellergarantie / Kulanzzeit – auch bei EU-Neuwagen !

Ist die 2-Jahres Frist abgelaufen, schließt sich zum Teil eine Garantie-/Kulanzzeit an. Da aber die Kulanzzeit keine gesetzliche Verpflichtung darstellt, sondern eine freiwillige Leistung ist, kann der Hersteller grundsätzlich definieren, unter welchen Konditionen er die Garantie bzw. die Kulanz einräumt.

Nicht jeder Eventualfall kann gesetzlich geregelt sein, aber in den Ausführungen der EU- Kommission zum Verständnis der GVO (sog. Leitfaden) ist die Stossrichtung, nämlich eine Belebung des Wettbewerbs durch nicht markengebundene Anbieter, eindeutig.

Die EU-Kommission spricht sich also explizit gegen die Praxis der Vergangenheit aus. Ein Automobilhersteller, der seinen Kunden Garantieansprüche – z.B. gegen Durchrostung – versagt, weil das Auto nicht lückenlos in ihren Werkstätten mit ihren Teilen repariert wurde, handelt nicht GVO konform und verstößt gegen geltendes EU-Recht.

Servicearbeiten an Neuwagen, jetzt auch in freien Kfz-Werkstätten !

Die Zielrichtung der europäischen Wettbewerbshüter ist klar:

Der Kunde darf in der Wahl seiner Werkstatt seines Vertrauens nicht eingeschränkt werden u. muss keinerlei Nachteile hinnehmen.

Reparaturen u. Servicearbeiten dürfen, sofern sie fachgerecht erfolgen, von jedem anerkannten Kfz-Betrieb durchgeführt werden, auch an Neuwagen innerhalb der Garantiezeit.

Auch ist im Zeitalter des Internets – durch die Veröffentlichung der technischen Daten – die sachgerechte u. fahrzeugspezifische Wartung kein Problem mehr.

Der Kunde hat die freie Wahl !

In allen Branchen – nicht nur in der Automobilbranche – muss letztlich der Verbraucher entscheiden, ob er den jetzt entstandenen liberaleren Markt mit Wettbewerb u. günstigen Preisen für sich nutzen möchte oder einen von übergroßen Automobilkonzernen beherrschten Markt, der es bislang verstanden hat, in Deutschland Höchstpreise zu erzielen.

Durch die Verankerung der GVO u. deren Rechtsgedanken hat der Kunde jetzt die freie Wahl, ohne wenn u. aber !